![]() | 02. September 2009 Geben und Nehmen in einer Partnerschaft Moin, moin... Wieder einmal habe ich kopfschüttelnd einen Thread im öffentlichen Forum verfolgt und jetzt interessieren mich eure Meinungen zu meinen Gedanken. Ich lese hier immer wieder mal erstaunt, mal ungläubig und oft auch völlig ratlos, was Menschen sich in Beziehungen (ich hasse dieses Wort!) alles gefallen lassen. Offensichtlich scheinen in der Liebe (oder dem, was wir dafür halten) andere Regeln zu gelten, als im Umgang mit Freunden, Bekannten etc. Wenn ich den häufigen Schilderungen hier glauben darf, wird man(n) oder frau belogen, es werden Tabus verletzt, es werden WICHTIGE Absprachen (z.B. im Swingerclub, in der sich öffnenden Beziehung, etc.) nicht eingehalten oder einfach ignoriert, es wird betrogen, fremdgegangen und was man sich sonst noch so vorstellen kann. Und dann wird hier allen ernstes vom betrogenen (oder belogenen, hintergegangenen) Part die Frage gestellt: "Was kann ich da machen?" Am liebsten würde ich laut schreien: "NIMM DIE BEINE IN DIE HAND UND LAUF!" Ich bin jemand, der sich selbst zuliebe auf ein gesundes Verhältnis von Geben und Nehmen in der Partnerschaft achtet. Das ist mir sehr wichtig. Natürlich gehören dazu Kompromisse (allerdings nur welche, für die keiner von beiden sich völlig verbiegen muss). Ich lasse mich einfach von einem ignoranten Partner nicht mehr so verletzen, dass es mir richtig dreckig geht und ich leide. Und beim Gros der geschilderten Fälle wäre ich - Dank an meinen Überlebenstrieb - schon längst wieder Single. Und ich frage mich dann immer wieder und das frage ich jetzt auch euch: Wie leidensfähig kann man der Liebe (ist das Liebe?) zuliebe sein? Wo sind bei euch die Grenzen erreicht? Habt ihr auch schon mal ausgeharrt, weil ihr dachtet, das renkt sich wieder ein? Eure Erfahrungen dazu interessieren mich. Vielen Dank für eure Antworten. |
![]() | 02. September 2009 Ach, liebe EineEinzige! Ich unterstreiche Dir doch jeden Satz! JEDEN! Besonders den mit den Beinen, die man dann in die Hand nehmen sollte und laufen. Und trotzdem habe ich mich im Leben schon OFT in Situationen wiedergefunden, in denen ich auch Liebe (oder sollte ich sagen, gemütsumnachtender Besessenheit???) zum Partner auch noch die andere Wange hingehalten habe. Ich bin emotional so am Boden gewesen, ich hätte ALLES gegeben für seinen Arm, seine Stimme, seine Nähe, für ein Wort, dass mich hoffen lässt. Ich bin nicht stolz darauf. Wer ist das schon. Aber es geschieht. Ich kann nur für mich sprechen, wenn ich sage: es passiert zum Glück immer weniger. Aber vielleicht können meine Erfahrungen diejenigen nachvollziehen, deren Ego auch sehr viel Zeit zum wachsen brauchte. Und auch die eine oder andere Grenzerfahrung... |
![]() | 02. September 2009 @SinasTraum: Hüstel... Steht da irgendwo, dass ich das schon immer so gesehen habe... ? Auch für mich war das ein langer, steiniger Weg. Und ich frage mich wirklich, was da in einem vorgeht, dass man den Partner SOOO viel wichtiger nimmt als sich selbst. Das ist manchmal schon unheimlich. |
![]() | 02. September 2009 Ja, ist es. Und ich finde außerdem, dass es nicht unbedingt etwas mit Liebe zu tun hat. Eher etwas mit dieser Besessenheit, von der ich sprach. Denn wenn man glaubt, man könne ohne diesen bestimmten anderen Menschen nicht leben, ergo gäbe es nur die Wahl, ALLES zu akzeptieren was der so raushaut... dann ist das schon irgendwie ein wenig krank. Und hat eigentlich in einer schönen Partnerschaft nichts verloren, denn das Gefühl, ohne den anderen nicht lebensfähig zu sein und darum alles erdulden zu müssen, das belastet eine Partnerschaft in meinen Augen eher als dass es ihr Tiefe verleiht. |
![]() | 02. September 2009 das Problem, das sich mir..... in der langen Zeit meiner Beziehung gestellt hatte war, dass ich ihn in sehr jungen Jahren kennengelernt hatte. Ich war damals 18 und hatte erst einen Freund vor ihm....... Ich bin von meiner Mutter direkt mit ihm zusammengezogen und auch wenn ich zwischendurch im Ausland war, so habe ich doch nie wirklich lange mit mir selber gelebt. Mir fehlten also in vielen Dingen die Erfahrung, aber auch das Selbstbewusstsein, mich für mich selber einzusetzen. Selbst wenn ich mich gewehrt hatte, was selten genug vorkam, so wurde ich meistens "niedergemacht", was wiederum wieder mit meinem Mangel an Selbstbewusstsein zu tun hatte....... ein Schwanzbeisser. Ich wollte es so lange nicht sehen, dass diese Beziehung nie und nimmer auf einer partnerschaftlichen Ebene funktionieren würde, sondern lediglich auf einer hierarchischen. Ich wollte es nicht sehen, aus Mangel an Selbstbewusstsein, so nach dem Motto: lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Oh ja und man kann sehr lange gehen, bevor man nicht mehr kann. In meinem Falle waren es 27 Jahre und wäre ich nicht letztendlich in eine Klinik gekommen, hätte ich wohl nie die Distanz und den Mut aufgebracht mein Leben in MEINE Bahnen zu lenken. Meine Kompromissbereitschaft, mein Harmoniebedürfnis, meine Grossherzigkeit, aber auch mein mangelndes Selbstbewusstsein haben dazu geführt, dass ich bis an die Grenze von Leben und Tod gegangen bin, bis ich endlich dieses destruktive Muster durchbrechen konnte....... Wenn ich mir das heute manchmal überlege, stellen sich mir die Haare, doch offenbar musste ich diese Grenzerfahrungen machen........ und glücklicherweise habe ich das noch in einem Alter gemacht, wo ich noch den Mut gefunden habe, nocheinmal von vorne zu beginnen...... |
![]() | 02. September 2009 Ich kann euren Berichten nur beistimmen. Mir ging es früher auch so, habe viel zu viel ertragen, auch aus dem Glauben heraus, so muss es sein, es gibt keine Liebe ohne Leid. Zum Glück hab ich mich davon befreit und denke heute ganz anders darüber. Wenn es verletzt, ist es keine Liebe. Ich verbiege mich nicht mehr und wenn der Partner mich nicht so nimmt wie ich bin, dann hat er mich auch nicht verdient! Finde des fatal jemanden nach seinen Wünschen ändern zu wollen, das kann nur schiefgehen. |
![]() | 02. September 2009 Ich habe auch schon lange in einer Beziehung ausgeharrt, die uns beiden geschadet hat. Aber man lernt wirklich, wobei man immer wieder Fehler machen wird und Schmerz erleiden muss. Davor sollte man einfach keine Angst haben, aber man sollte ihn auch nicht suchen. Für mich ist es immer schwer, weil ich an sich freiheitsliebend bin, aber mich auch gleichzeitig hingeben kann. Das ist ja an sich kein Widerspruch. Ich suche mir oft Partner aus, die erstmal distanziert sind, so dass ich sehr viel investiere und eine Art Ungleichgewicht herrscht. Aber auf Dauer gesehen weiß ich wo meine Grenze ist und passe auf mich auf. Man muss auf sich achten und sich immer wieder fragen was man bereit ist zu tragen und ob es einem dabei gut geht. Für mich ist es kein wirkliches bessesensein, sondern viel mehr ein Kämpfen um die Sache. Ich hoffe sehr lange, weil ich Entscheidungen nicht revidiere. |
![]() | 02. September 2009 Ursachenforschung ... Nach den Ursachen dieses Verhaltens zu suchen, finde ich sehr interessant, aufschlußreich und... leider auch unbequem... Mir fallen da spontan folgende Begrifflichkeiten ein (leider muss ich gestehen, das ich einige davon aus eigener Erfahrung kenne): - "Besessenheit" oder geistige Umnachtung - Egoismus? Ist meins, will ich behalten... *mitdemFußaufstampf* - Bequemlichkeit (ist ja erträglich) - Feigheit (wenn ICH mich trenne, bin ICH der Schuldige) - finanzielle Interessen (alleine kann ich das alltägliche Leben wie z.B. Haus, Wohnung, Kind, Tiere, usw. nicht bezahlen) - Angst vor dem Alleinsein - das Nicht-Wahrhaben-Wollen, gescheitert zu sein (ICH doch nicht!) - die Erkenntnis Wiederholungstäter zu sein und offensichtlich wieder nichts gelernt zu haben (2. Ehe, 3. Ehe...) to be continued... Bitte diese Liste - mit mehr oder weniger Humor - als das betrachten, was sie ist: eine Auflistung möglicher Erklärungen. |
![]() | 02. September 2009 Und es kommt vor, dass das "Geben und Nehmen" nicht ausgewogen ist, da einer der Partner der vermeintlich stärkere ist, der andere doch eher schwächer (nachgiebiger), was ja auch eigentlich nicht schlimm ist. Allerdings wird mit dieser sogenannten "Stärke" oft Schandluder getrieben und der andere ausgenutzt oder mißbraucht (Mißbrauch nicht im Sinne von Vergewaltigung). Sollte nicht der wirklich stärkere den schwächeren beschützen und unterstützen, ich denke ja! Nur das lässt ja meistens der übertriebene Egoismus nicht zu, da diese Personen oft nur sich selbst sehen. |
![]() | 02. September 2009 ... und ich würde unter jeden Punkt einen Haken setzen. Abhängigkeit, ob psychische oder finanzielle; Angst auch vor den kommenden Aufgaben und der Verantwortung, Angst vor "spürbaren" Konsequenzen, Verantwortung, auch zur Verantwortung gezogen zu werden, Selbstlüge, Besitzdenken, Lethargie, Leidensfähigkeit, falsches Selbstbild und, und.. und.. Das aber von außen zu betrachten und zu beurteilen, ist sehr schwer, vor allem, wenn man in dieser Situation noch nicht war, ist man schnell bei Vorurteilen und Vorverurteilung. Ich halte mich daher mit Werturteilen zurück. Zu einer Geschichte gibt es immer zwei Seiten, wir kennen meist nur eine. |
![]() | 02. September 2009 Hallo und guten Abend da gibt es ein tolles Buch:Wenn Frauen zu sehr lieben......eine Rätselslösung schon mal...... Dann Psychoterror...wo du irgendwann glaubst,was dir eingeredet wird...(so ging es mir 7 von 11Jahren)und ohne eine Therapie oder wie bei mir,z.b.eine Ausbildung angefangen mit Kindern und selbstbewußt nach und nach geworden........nicht rauskommst..... Mangelndes Selbstbewußtsein Sexuelle Abhängig wie bei einer Bekannten, Finanzielle Abhängigkeit-weil man denkt man schafft es ohene den anderen nicht. Der lieben Kinder wegen bleiben und und und Außenstehende die selber in so einer Situation nie waren,können logischerweise in keinster Form mitreden,außer mit dem Satz :Nimm beide Beine und renn........ Ich wünsche allen,die in so einer Situation stecken, dass sie Hilfe finden und den Absprung schaffen oder ihr Gegenüber von alleine geht.... |
![]() | 02. September 2009 Verurteilungen... ... oder gar Bewertungen sind in solchen Fällen fehl am Platze. Aber man kann nur bis zum dem Punkt verstehen, an dem man selbst schon gestanden hat. Ich kann also nachvollziehen, warum jemand wegen der Finanzen, des Hauses oder der Kinder versucht durchzuhalten. Dinge wie häusliche Gewalt, Psychoterror o.ä. sind allerdings soweit von meiner eigenen Geschichte weg, dass ich da Problem habe, mich in die Gründe für das Verharren in der Situation hineinzuversetzen - auch, wenn ich es versuche. Interessantes Thema und interessante Beiträge. Kompliment, Ladies... Btw... wo sind die Herren in dieser Diskussion? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben. |
![]() | 02. September 2009 Es ist und bleibt immer noch mehr ein Frauen- als ein Männerproblem, @dieEineEinzige... Damit will ich die Erfahrungen von Männern hier absolut nicht schmälern, es gibt sie mit großer Sicherheit. Dennoch glaube ich, dass die Motive für Männer ganz anders gestrickt sind und ihr Erleben einer solchen Situation ganz anders ist. Wie genau, das sollte wirklich lieber ein Mann erzählen. Aus meinem eigenen Umfeld heraus kann ich aber sagen, dass Frauen nach wie vor klassischerweise diejenigen mit dem längeren Atem sind, wenn es um die Leidensfähigkeit innerhalb einer Beziehung geht. Das Sozialgefüge sieht doch immer noch so aus dass viele Frauen ohne Mann plötzlich Existenzängste bekommen. Nicht nur materieller Art! Auch psycho-emotionaler Art. Die Idee "Mich will doch eh kein anderer mehr" oder "Ohne ihn komme ich nicht zurecht, allein wird mir das alles zu viel" die ist doch einfach zu sehr weiblich. Im schlimmsten Fall wird sich der Mann dann halt 35 Ehejahre lang schöngesoffen, oder es wird gehofft, dass er durch den Nebelschleier des Alkohols unsichtbar und unhörbar wird. So erlebe ich das im Bekanntenkreis und ich finde es schlicht unfassbar, dass eine kluge und patente Frau ihr Dasein an der Seite eines Mannes fristet, den sie kaum erträgt ohne Alkohol im Blut. Wieso ist sie nie gegangen? Eine andere Generation, sicher. Aber keine, in der es nicht auch schon Trennungen und Scheidungen gegeben hätte. Nein, eher ein falsches Rollenverständnis. Den Mann verlassen, so etwas tut eine Frau nicht. Ihr Platz ist und bleibt an seiner Seite. Er hat ihr materiell ein tolles Leben ermöglicht, ihre Dankbarkeit drückt sich aus im Ertragen seiner Person. |
![]() | 02. September 2009 By the way: ließe sich dieser Thread auf "privat" stellen? Fände ich angenehmer... |
![]() | 02. September 2009 privat... .. Meinst du, das ist nötig? Ich finde, noch kommen wir nicht in heikle Gewässer oder kann Dinge allgemein formulieren. Zumal ich mir auch erhoffe, noch Input von außerhalb der Gruppe zu bekommen... Ich würde damit gerne noch etwas warten... Gibt's Einwände? |